Montag, 22. Juni 2020

Rot, blau, schwarz – die Beeren sind da!

Sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer da ist – Beeren. Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren. Sie schmecken pur lecker, im Müsli, aber natürlich auch als Muffin und Kuchen, ganz zu schweigen von heissen Beeren auf Vanilleeis... Und das Gute dabei: Beeren sind kalorienarm und echte Superfoods.
Sommer fürs Auge – Beeren. Foto: pixabay
Ich liebe Beeren! Ich mag nur schon ihr Aussehen: das Violett-Blau, das leuchtende Rot, aber auch das dunkle Rot, das beinahe schon schwarz ist. Und wenn man die Beeren ein einer Schale mischt, ist das Sommer fürs Auge. Nur schon dieser Anblick sorgt  – zumindest bei mir – für gute Laune. 

Die Erdbeeren, die in diesem Blog bereits einmal Thema waren, läuten die Beerensaison bereits im Mai ein, im Juni kommen die Johannis- und Himbeeren, auch schon die ersten Heidelbeeren gibt es zu kaufen. Die Brombeeren werden als Letzte reif, ab Juli/August. Ich spreche natürlich von den Beeren, die hier wachsen. Denn in Mitteleuropa gedeihen im Winter und Frühling nun mal keine Beeren. Die Früchtchen, die in unseren Breitengraden gedeihen, sind denn auch viel frischer, wenn sie in die Läden kommen, da die Transportwege kürzer sind. Am besten ist es natürlich, wenn man die Beeren direkt beim Produzenten kauft. Frischer geht's nicht!

Neben der Tatsache, dass Beeren natürlich wohlschmeckend und saftig sind, steckt auch sonst eine Menge in ihnen. Je frischer man sie kauft, desto mehr gute Inhaltsstoffe sind enthalten. Nur schon deshalb sollte man auf die hiesige Beerensaison warten. So kann man sich auch richtig darauf freuen.   

Eine Sammelfrucht
Himbeeren müssen schnell verbraucht oder verarbeitet werden, denn sie sind leicht verderblich. Foto: pixabay
Wie die Erdbeere auch, ist die Himbeere gar keine Beere, sondern eine beerenartige, aus vielen kleinen Einzelfrüchten bestehende Sammelfrucht. Die Früchte sind saftig und süss, leider leicht verderblich und druckempfindlich – ein Grund mehr, sie am besten vom Produzenten zu kaufen. Die Himbeere enthält viele Vitamine, vor allem Vitamin C, und Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Mangan.

Rot und schwarz
Rote Johannisbeeren schmecken säuerlich herb. Foto: pixabay
Die Johannisbeere gibt es in zwei «Versionen»: die Rote Johannisbeere mit roten oder weissen Beeren und die Schwarze Johannisbeere mit schwarzen Beeren. Die Rote Johannisbeere schmeckt säuerlich herb, kann roh verzehrt werden oder wird zu Saft, Fruchtwein und Gelee verarbeitet. Auch in der Roten Johannisbeere steckt viel Vitamin C sowie die Mineralstoffe Kalium, Eisen und Mangan. 

Die Schwarze Johannisbeere ist noch «gesünder» als ihre rote Schwester, denn sie enthält etwa viermal so viel Vitamin C (177 mg pro 100 g) und auch einen wesentlich höheren Gehalt an Kalium, Eisen und Mangan. Die Schwarze Johannisbeere schmeckt säuerlich bitter, weshalb sie selten roh verzehrt, sondern hauptsächlich zu Saft verarbeitet wird. 

Klein, aber oho
Heidelbeeren oder Blaubeeren halten sich im Kühlschrank bis zu drei Wochen. Foto: pixabay
Auch von der Heidelbeere oder Blaubeere gibt es zwei Arten: Vaccinium myrtillus ist ein Zwergstrauch, er in den Wäldern und Heidegebieten Europas heimisch ist. Seine Beeren reifen ab Juni. Der Kultur- oder Gartenheidelbeerstrauch (Vaccinium corymbosum) stammt ursprünglich aus Nordamerika, inzwischen wird er aber auch bei uns angebaut. Die wild wachsende Heidelbeere hat etwa die Grösse einer Erbse und ist dunkelblau. Sie hat zahlreiche Kerne und ein süss-säuerliches Aroma. Die Kulturheidelbeere ist grösser und von einem helleren Blau. Sie enthält weniger Kerne und schmeckt süsser, ist aber meist nicht so aromatisch. 

Im Gegensatz zu den Himbeeren lassen sich die Heidelbeeren verhältnismässig lange lagern. Im Kühlschrank kann man Kulturheidelbeeren bis zu drei Wochen aufbewahren. Im Handel werden meist Kulturheidelbeeren angeboten. Aber natürlich gibt es auch wilde Blaubeeren zu kaufen, sie kann man zudem in der Natur sammeln. Allerdings müssen sie vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. 

Heidelbeeren isst man in der Regel roh, sie eignen sich aber auch zum Belegen von Torten, für die Zubereitung von Desserts und man kann aus ihnen Marmelade herstellen. Nicht zu vergessen sind natürlich Blaubeermuffins...

Heidelbeeren haben viel Mangan und Phenolsäure, ein sekundärer Pflanzenstoff. Weil sie Gerbstoffe enthalten, helfen sie gegen Durchfallerkrankungen. Dazu müssen die Beeren aber getrocknet sein; diese erhält man zum Beispiel in Apotheken. Eingenommen werden sie mit etwas Flüssigkeit. Man kann aus den getrockneten Beeren aber auch einen Tee zubereiten. 

Gross und violett-schwarz
Brombeeren liefern unter anderem Betakarotin. Foto: pixabay
Die letzte im Bunde ist die Brombeere. Auch sie ist – wie die Himbeere – eine Sammelfrucht des echten Brombeerstrauchs, der in Eurasien und Nordamerika wild wächst sowie als Kulturpflanze angebaut wird. Je nach Sorte schmecken die violett-schwarzen Früchte säuerlich bis süss. Meistens isst man sie roh, aber auch sie eignen sich natürlich zum Belegen von Torten, zur Zubereitung von Desserts und zur Herstellung von Konfitüren und Säften. Auch die Brombeere enthält viel Gutes: Sie ist reich an Magnesium und Mangan, zudem liefert sie Vitamin C und Betakarotin.

So lecker Beeren auf oder in Kuchen und Muffins sind – für Kuchen und Muffins wird entsprechend Butter und Zucker verwendet. Um sich die vielen Inhaltsstoffe "zunutze" zu machen, geniesst man die Beeren am besten roh, zum Beispiel als Fruchtsalat – ohne Zucker, versteht sich. Du kannst die Beeren, sollten sie denn noch etwas säuerlich sein, mit einer süssen Banane mischen oder mit reifen Aprikosen. Optimal sind Beeren auch in einem Müsli, das zum Beispiel aus Vollkornhaferflocken und Joghurt/Quark/Blanc Battu oder einer veganen Joghurt-Alternative besteht.

Solltest du mal etwas zu viel Beeren genascht haben, brauchst du dich nicht um deine Bikinifigur zu sorgen, denn die kleinen Früchtchen bestehen zur Hauptsache aus Wasser. Ihr Energiewert liegt zwischen 44 und 58 Kilokalorien pro 100 Gramm. Und schliesslich sind hiesige Beeren wahre Kraftpakete und super gesund. 

Dienstag, 16. Juni 2020

Pak Choi – ein Kohl für alle Fälle

Kohl im Sommer? Echt jetzt? Reicht es nicht schon, wenn man im Winter Kohl essen «muss»? Kohl gilt bei uns tatsächlich in erster Linie als Wintergemüse, ein einheimisches Superfood, sozusagen. Weisskohl, Rotkohl, Federkohl, Spitzkohl... Aber es gibt auch die sommerliche Variante: den Pak Choi.
Pak Choi – der Kohl für Kohlmuffel. Foto: unsplash
So gesund Kohl ist, vielen ist der «Duft» von Weiss- und Rotkohl zu viel des Guten. Die ganze Wohnung riecht nach dem Kochen eines Kohlgerichts zugegebenermassen ziemlich – sagen wir mal – streng. Und auch der Geschmack des Gerichts ist für viele zu intensiv. Bei Federkohl sind «Duft» und Geschmack übrigens nicht ganz so stark. Und überhaupt kein Kohlduft verbreitet sich in der Wohnung, wenn man Pak Choi oder Chinakohl zubereitet. Das Gemüse ist sehr zart, auch im Geschmack, und zudem sehr schnell gegart. Wenige Minuten reichen. Pak Choi kann man, wie Chinakohl, sogar roh geniessen. 

Den Kohl findet man oft in asiatischen Gerichten. Das Gemüse wird mittlerweile aber auch in Mittel- und Südeuropa und natürlich auch in der Schweiz angebaut. Die Saison für Pak Choi dauert hier von etwa April bis November/Anfang Dezember. Vor allem in China, Japan und Korea ist der Kohl weit verbreitet. Dennoch liegen die Ursprünge des Pak Choi im Dunkeln. Aber wahrscheinlich haben er und der Chinakohl denselben Ursprung. Vermutet wird, dass der Chinakohl aus einer Kreuzung von Speiserübe und Pak Choi entstanden ist. Wie auch immer, sicher ist, dass sich Pak Choi und Chinakohl sehr ähnlich sind. Beides sind milde Kohlsorten und leicht bekömmlich. Mit Pak Choi kann man in der Küche übrigens sehr gut Mangold (Krautstiele) und Spinat ersetzen. Schneidet man einen Pak Choi der Länge nach durch, kann einem durchaus ein sanfter Duft nach Senf in die Nase steigen. Deshalb auch der Name Chinesischer Senfkohl.

Überhaupt ist die Zubereitung denkbar einfach – zudem gibt es kaum Abfall. Einzig der Strunk unten ist zu entfernen. Den Pak Choi gut waschen, der Länge nach durch- und in Querstreifen schneiden. In einer Pfanne mit etwas Olivenöl und Knoblauch wenige Minuten garen. Pak Choi geht immer in asiatischen Gerichten, aber auch in einer Tomatensauce für Pasta oder roh in einem Salat... Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 


Pak Choi muss «Quietschgeräusche» machen

Beim Kauf von Pak Choi ist es wichtig, dass er aus der Schweiz oder aus einem europäischen Land stammt, da Gemüse aus Asien oftmals mit Pestiziden belastet ist. Neben Spanien gehören auch die Niederlande zu einem wichtigen Anbaugebiet für diese Kohlsorte. Damit ihr wirklich frischen Pak Choi kauft, achtet auf folgende Merkmale: Die Blätter müssen dunkelgrün sein und dürfen weder Risse noch gelbe Stellen aufweisen. Die weissen Stengel müssen knackig sein und «Quietschgeräusche» von sich geben, wenn man sie reibt – ähnlich wie beim Spargel. Idealerweise sollten Supermärkte und Lebensmittelläden den Pak Choi im Kühlregal aufbewahren. Das gilt auch für dich, wenn du den Kohl gekauft hast; er gehört ins Gemüsefach deines Kühlschranks, am besten in ein feuchtes Tuch gehüllt oder – wenn er nicht schon abgepackt ist – in einen mit Löchern versehenen Plastikbeutel. Achtung: Im Gegensatz zu den winterlichen Kohlsorten wie Weiss- und Rotkohl, ist Pak Choi nicht lange haltbar. Im Kühlschrank höchstens zwei Tage.  
Frischer Pak Choi muss «Quietschgeräusche» von sich geben.
Es erübrigt sich fast, darauf hinzuweisen, dass Pak Choi so gut wie keine Kalorien hat. Von 100 Gramm sind 94 Gramm Wasser. Energiemässig bedeutet das: 100 Gramm dieses Kohls haben 14 Kalorien. Und natürlich ist Pak Choi äusserst gesund. Mit 26 mg Vitamin C deckt er etwa einen Viertel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Diese Kohlsorte enthält weniger Vitamin C als Weiss-, Rot- und Federkohl. Aber im Sommer hat man ja noch viele andere Vitamin-C-Quellen, wie zum Beispiel Erdbeeren und andere Gemüsesorten. Pak Choi beinhaltet unter anderem auch Folsäure (66 Mikrogramm), Betacarotin (10 Mikrogramm), Vitamin B1, B2 und B6, viel Kalium (160 mg), Kalzium (40 mg) und Phosphor (30 mg) sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Übrigens – Chinakohl ist in der Zusammensetzung praktisch identisch.

Wer bislang einen Bogen um sämtliche Kohlsorten gemacht hat, darf beim nächsten Einkauf ruhig zu Pak Choi greifen. Einfacher geht die Zubereitung kaum und die Wohnung riecht anschliessend nicht nach Kohl – versprochen.

Dienstag, 9. Juni 2020

Die Vielfalt der Esskultur – belgisches Bier

Am 21. Mai war Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Die Unesco führte diesen Tag im Jahr 2002 ein. Was hat das ganze nun mit Ernährung zu tun? Ganz einfach: Für mich gehört auch das Essen zur kulturellen Vielfalt. Nur wird diese Vielfalt heute oft verwässert; Länder, Regionen und Menschen vergessen ihre eigene Esskultur. Im vierten und letzten Teil meiner kleinen Serie geht es um belgisches Bier.

Belgisches Bier ist berühmt – und vor allem sehr stark. Foto: Pixabay
Auch wer mit Bier nicht viel anfangen kann – dass die Belgier die Kunst des Bierbrauens beherrschen, gehört sozusagen zum Allgemeinwissen. Seit 2016 steht auch das Belgische Bier auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Die Ursprünge des Bierbrauens gehen auf die Zeit vor dem Mittelalter zurück. Natürlich bestimmen heute auch in Belgien Grossbrauereien die Bierproduktion; dennoch gibt es etwa 280 weitere Brauereien im Land, die etwa 500 eigenständige Biere herstellen. Wenn man alles zusammenrechnet, gibt es über 1000 Biervarianten.

Viele belgische Biere sind sehr stark, sie können bis 13 Volumenprozent Alkohol enthalten, was einem schweren Rotwein entspricht. Dass die Belgier so starke Biere brauen, hat seinen Grund: das Vandervelde-Gesetz. Dieses trat 1919 in Kraft und verbot den Verkauf von Spirituosen in Bars. Wer sich also in einer Bar betrinken wollte, musste entweder sehr viel Bier trinken oder er kaufte sich seinen Schnaps irgendwo und trank ihn zu Hause. Da Bierbrauen schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine Stärke der Belgier war, kamen sie auf die Idee, Starkbiere mit hohem Alkoholgehalt herzustellen. Das Vandervelde-Gesetz wurde übrigens erst 1983 aufgehoben. Die starken Biere werden natürlich nach wie vor gebraut.

Eine Eigenart der belgischen Biere ist, dass sie oft nur in Flaschen verkauft werden, da sie noch in der Flasche nachreifen können. Dabei werden sie zwei bis drei Jahre gelagert. Die Lagertemperatur liegt zwischen vier und zehn Grad. Die Flaschen sind meist mit einem Korken oder Metallkronenkorken verschlossen. Manche Bierflaschen sehen aus wie Champagnerflaschen. Getrunken wird das Bier aus Gläsern, d. h. jedes Bier hat sein passendes Glas; oft ist es ein Kelch mit breiter Öffnung. Auch hat jedes Bier seine ideale Temperatur, die liegt zwischen 8 und 12 Grad Celsius.

Obwohl Belgien für seine speziellen obergärigen Biere bekannt ist, wird auch untergäriges, helles Pilsener gebraut. Das wird sowohl im Land selbst am meisten getrunken, als auch exportiert. Da einzelne Biervarianten auch im Holzfass reifen, gibt es Biere, die aus verschiedenen Jahrgängen gemischt werden. 

Einzigartig sind Lambics. Sie sind weder eindeutig obergärig noch untergärig. Sie entstehen mittels Spontangärung durch wilde Hefen. Ein klassisches Lambic ist ein während rund drei Jahren im Holzfass vergorenes Bier. Es wird selten in Flaschen abgefüllt und ist deshalb meist nur im Gebiet der Produktion zu haben.
Jedes belgisches Bier hat sein «eigenes» Glas. Foto: unsplash
Wer belgisches Bier kauft und auf der Etikette «Abteibier» liest, trinkt nicht unbedingt ein Gerstensaft, der in einer Abtei gebraut wurde. Es ist zwar möglich, dass das obergärige Bier noch in einer Abteibrauerei nach jahrhundertealtem Rezept erzeugt wird. Es kann aber auch sein, dass es in Lizenz von professionellen Brauereien hergestellt wird. Hier hat die Abtei keinen Einfluss mehr auf den Herstellungsprozess.

Anders sieht es aus, wenn auf der Etikette «Trappistenbier» steht. Diese obergärigen Biere werden tatsächlich noch in einem Trappistenkloster gebraut. Um ein Bier unter dieser Bezeichnung verkaufen zu können, muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Der komplette Produktionsprozess muss innerhalb des Klosters ablaufen oder durch Trappistenmönche beaufsichtigt werden. Nur acht Klöster, die in Belgien, den Niederlanden und Österreich liegen, erfüllen derzeit diese Voraussetzung.

Die Belgier beweisen, dass Bierbrauen sowohl eine Wissenschaft als auch eine Kunst ist. Und nach diesem doch etwas länger ausgefallenen Text bleibt mir nichts anderes übrig, als euch guten Appetit zu wünschen und mit euch anzustossen. Und vielleicht wagt sich der eine oder die andere – wenn das Reisen wieder möglich ist – im Mittelmeerraum auf eine kulinarische Entdeckungsreise. Guten Appetit – und prost!

Dienstag, 2. Juni 2020

Die Vielfalt der Esskultur – la cuisine française

Am 21. Mai war Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Die Unesco führte diesen Tag im Jahr 2002 ein. Was hat das ganze nun mit Ernährung zu tun? Ganz einfach: Für mich gehört auch das Essen zur kulturellen Vielfalt. Nur wird diese Vielfalt heute oft verwässert; Länder, Regionen und Menschen vergessen ihre eigene Esskultur. Im zweiten Teil meiner kleinen Serie geht es um die französische Küche.

Käse, etwas Saucisson sec, Brot und Rotwein – et voilà das Klischee über die französische Küche in einem Bild. Foto: unsplash
Ich geb's zu. Käse, Brot, getrocknete Wurst und Rotwein – eines von mehreren Klischees der französischen Küche. Allerdings gehört dies, so lecker das auch sein mag, wohl nicht zur Haute Cuisine. Diese entstand im 19. Jahrhundert. Auch in Frankreich existieren natürlich viele Regionalküchen. Währenddem man in Südfrankreich die leichte Mittelmeerküche geniesst, ist es in der Normandie mit Kalbfleisch, Rahmsaucen und dem nicht zimperlichen Einsatz von Butter dann doch eher schwer. Und so richtig deftig ist es mit Choucroute (Sauerkraut), Schmoreintöpfen mit Kartoffeln und Fleisch sowie Flammkuchen im Elsass.

Dass die französische Küche so berühmt ist, liegt wohl daran, dass im 17. und 18. Jahrhundert die französische Küche und Esskultur für die Küchen vieler Adelshäuser in Europa tonangebend war. Denn der französische Hof galt damals als kulturell führend. Dass Mitte des 16. Jahrhunderts die italienische Küche durch Katharina von Medici, der Frau von Heinrich II., nach Frankreich gebracht wurde, ist mittlerweile widerlegt. 

Die Verbreitung der gehobenen Kochkunst beim Bürgertum geschah zur Zeit der Französischen Revolution; damals entstanden mehr und mehr Restaurants. Schliesslich waren die Köche bei Hofe arbeitslos geworden. Mit der Zeit wurde der Kochstil – wie so vieles in Frankreich – institutionalisiert. Die gehobene Restaurantküche wurde «Grande Cuisine» benannt.
Die gehobene französische Küche wurde im 18. Jahrhundert erstmals als «Grande Cuisine» bezeichnet. Foto: unsplash

Das erste französische Kochbuch erschien bereits 1490. Es folgten Unmengen von Kochbüchern, selbstverständlich alle von Männern – und damaligen Spitzenköchen – geschrieben. 1903 veröffentlichte Auguste Escoffier sein «Guide culinaire» und prägte nicht nur die französische, sondern beeinflusste die gehobene Küche in ganz Europa und in den USA. 

Die erste Frau, die ein Kochbuch, respektive ein Kochbüchlein, veröffentlichte war Mme. Mérigot. Nach der Französischen Revolution gab sie 1795 eine 42-seitige Broschüre mit Kartoffelrezepten heraus («La Cuisinière républicaine»). Also nichts mit Grande Cuisine. Kartoffelrezepte für jeden Tag. Und vielleicht habt ihr bemerkt, dass man von der Autorin nur den Nachnamen kennt – im Gegensatz zur vollständigen Namensnennung der männlichen «Starköche» von damals.

Dienstag, 26. Mai 2020

Die Vielfalt der Esskultur – die Kunst des Pizzabackens

Am 21. Mai war Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Die Unesco führte diesen Tag im Jahr 2002 ein. Was hat das ganze nun mit Ernährung zu tun? Ganz einfach: Für mich gehört auch das Essen zur kulturellen Vielfalt. Nur wird diese Vielfalt heute oft verwässert; Länder, Regionen und Menschen vergessen ihre eigene Esskultur. Im zweiten Teil meiner kleinen Serie geht es um die neapolitanische Kunst des Pizzabackens.

Die neapolitanische Pizza: Die Kunst sie zu backen gehört zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Foto: unsplash
Wer einmal eine echte neapolitanische Pizza gegessen hat, will keine andere mehr. Der Rand ist etwas dicker, der Rest des Teiges ist dünn, aber dennoch fluffig und knusprig. Ihr Duft ist einzigartig. Und auf die «echte» neapolitanische Pizza kommt nichts ausser Tomaten, Mozzarella, Basilikum und Olivenöl. Die neapolitanische Pizza, respektive ihre Zubereitung, ist so einzigartig, dass sie seit 2017 von der Unesco auf die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt wurde.

Die Pizza war in Süditalien übrigens schon Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt. Damals wurde die Tomate in der Region immer beliebter. Ein Fladenbrot wurde mit Tomatenscheiben, Oregano und Basilikum belegt und mit Olivenöl beträufelt – fertig. Also natürlich wurde die Pizza noch gebacken. Die berühmte Pizza Margherita wurde im 19. Jahrhundert «erfunden». Der Pizzaiolo Raffaele Esposito soll am 11. Juni 1889 in Neapel beauftragt worden sein, König Umberto I. und seiner Frau Margherita eine Pizza zu servieren. Um dem Königspaar zu gefallen, belegte er seine Pizza mit den Nationalfarben: grüner Basilikum, weisser Mozzarella und rote Tomaten. Daher stammt auch der Name Pizza Margherita. Nun, das ist die Legende um diese Pizza. Heute weiss man, das sich die Königin bereits vorher von Pizzabäckern Pizza in den Palast bringen liess. Esposito war lediglich der einzige Pizzaiolo, der die Empfangsbestätigung des Hofes aufbewahrte.

Ideale Backtemperatur: 485 Grad Celsius

Das belegte Fladenbrot ist also ein königliches Mahl. Und spätestens seit 1889 begann die Pizza ihren Siegeszug; und zwar zuerst in den USA. Italienische Auswanderer verzichteten Ende des 19. Jahrhunderts auch nicht in der neuen Welt auf ihre Pizza. In Deutschland wurde 1937 in Frankfurt am Main im Rahmen der 7. Internationalen Kochkunst-Ausstellung erstmals eine Pizza zubereitet. Die erste Pizzeria wurde in Deutschland 1957 in Würzburg eröffnet.

Die Pizza schmeckte so gut, dass sie schon bald industriell hergestellt wurde und sich zum Tiefkühlen eignete. Damit dieses einst königliche Mahl nicht komplett zum Junkfood verkommt und als Dickmacher Nummer eins verunglimpft wird, wurde 1984 die Associazione Verace Pizza Napoletana gegründet. Diese Vereinigung hat sich die Wahrung der Tradition der Pizza napoletana auf die Fahne geschrieben. Mitglieder sind Pizzerien auf der ganzen Welt; sie dürfen ihre Pizza als «Verace Pizza Napoletana» bezeichnen. Das wird regelmässig streng kontrolliert. 
Eine «echte» Pizza Napoletana wird bei 485 Grad Celsius 60 bis 90 Sekunden gebacken. Foto: unsplash
Das Backen einer echten Pizza Napoletana erfolgt ausschliesslich im Holzofen. Die geeignete Temperatur zum Backen beträgt 485 Grad Celsius, die Garzeit darf 60 bis 90 Sekunden nicht überschreiten. Damit ist klar: Eine echte neapolitanische Pizza bringt kein Haushalt zustande. Es sei denn man ist Besitzer oder Besitzerin eines echten Pizzaofens im Freien...

Um es nochmals zu betonen: Wer sich ständig verkneift Pizza zu essen, tut sich nichts Gutes. Es ist klar, dass ich damit nicht Fertig- und Tiefkühlpizzen meine. Aber eine Pizza aus der Pizzeria darf genossen werden. Und man darf auch ruhig sagen, dass man nicht zu viel Öl auf seiner Pizza wünscht. Und wenn man doch mal eine Fertigpizza kauft, dann eine hochwertige. Vielleicht auch eine, die nicht im Tiefkühler, sondern im Kühlregal zu finden ist. Kleiner Tipp: Kauft eine Pizza Margherita und belegt sie zu Hause selbst mit Tomaten, Gemüse, Oliven, Zwiebeln, Knoblauch etc. Noch besser ist es natürlich, ihr macht die Pizza selbst. Fertiger Pizzateig hat natürlich mehr Fett und Zusatzstoffe als der Hefeteig, den ihr selbst macht. Aber beim Belag habt ihr die volle Kontrolle. Vegetarier und Veganer können so erst noch auf das mühsame Lesen des Kleingedruckten auf der Pizzapackung verzichten 😉


Dienstag, 19. Mai 2020

Die Vielfalt der Esskultur – die Mittelmeerküche

Diesen Donnerstag ist Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung. Die Unesco führte diesen Tag im Jahr 2002 ein. Was hat das ganze nun mit Ernährung zu tun? Ganz einfach: Für mich gehört auch das Essen zur kulturellen Vielfalt. Nur wird diese Vielfalt heute oft verwässert; Länder, Regionen und Menschen vergessen ihre eigene Esskultur. In einer kleinen Serie, bestehend aus vier Teilen, schaue ich auf «Küchen», Speisen und Getränke, die es auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit geschafft haben. Natürlich handelt es sich hier nur um eine kleine Auswahl. Im ersten Teil geht es um die Mittelmeerküche.
Foto: unsplash
Heute essen wir «international»: italienisch, französisch, asiatisch, indisch, wir lieben spanische Tapas, und von der «amerikanischen Küche» hat wohl jeder schon gehört: Hamburger, Fried Chicken, French Fries, Cheese Cake... Dabei tun wir nicht nur den Amerikanern unrecht, sondern auch der italienischen, französischen, spanischen, asiatischen und indischen Küche – und natürlich auch allen anderen «Küchen», die wir zu kennen meinen. 

Natürlich gibt es die «amerikanische Küche» nicht, denn die vielen Einwanderer haben ihre Spezialitäten in ihre neue Heimat mitgenommen. Zudem gibt es natürlich auch in dem riesigen Land regionale Unterschiede bei dem, was man im Alltag so kocht. Aber Hand aufs Herz: Wissen wir, das die Italiener so jahrein, jahraus essen? Pizza und Pasta etwa? Die Franzosen? Jeden Tag Escargots, Baguette und Käse? Die Spanier ernähren sich wahrscheinlich nur von Tapas, die Asiaten von Reis, Nudeln und Tofu, und die Inder essen einfach nur scharf. 

Bleiben wir mal in Europa. Die Ernährung und Esskultur einiger Länder ist so einzigartig, dass sie die Unesco sogar in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hat. Dazu gehört unter anderem die Mittelmeerküche (die es eigentlich gar nicht gibt), die neapolitanische Kunst des Pizzabackens (Pizzaliebhaber wussten schon immer, dass sie kein Junkfood essen), die französische Küche (wundert niemanden) und – für die Durstigen – das belgische Bier.


Die Mittelmeerküche
Einige Gemeinsamkeiten der Mittelmeerküche: Tomaten, Knoblauch, frisches Gemüse, Kräuter und Gewürze. Foto: Pixabay
Der Begriff «Mittelmeerküche» oder «mediterrane Küche» fasst die verschiedenen Landesküchen der Mittelmeerregion zusammen. Dabei gibt es durchaus grosse Unterschiede zwischen den Ländern. Dennoch haben die «Küchen» gemeinsame Grundelemente: Olivenöl und Oliven, frisches Gemüse (Tomaten, Auberginen, Pepperoni, Zucchetti), Knoblauch, Lauch, Zwiebel, Fisch und Meeresfrüchte, Kräuter und Gewürze (Thymian, Rosmarin, Salbei, Fenchel, Kümmel, Anis, Oregano, Basilikum), helles Brot, Nudeln, Reis, und in einigen Ländern wird zum Essen regelmässig Rotwein getrunken – allerdings in kleinen Mengen. 

Vor zehn Jahren, im November 2010 wurde auf Antrag Spaniens, Griechenlands, Italiens und Marokkos die Mittelmeerküche von er Unesco in ihre Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit angenommen. 2013 wurde die Liste erweitert; dazu kamen Kroatien, Portugal (obwohl es nicht am Mittelmeer liegt) und Zypern.
Die Verwendung von Kräutern ist eine Gemeinsamkeit Küchen der Mittelmeerländer. Foto: unsplash
Der Konsum von viel frischem Gemüse und Kräutern, wenig Fleisch und Fisch und von hochwertigem Pflanzenöl zeigt sich in der Gesundheit der Bewohner der Mittelmeerländer. Die Fallzahl von Herz-Kreislauferkrankungen, Blutdruck und Übergewicht ist geringer als nördlich der Alpen. Auch die Blutzuckerwerte und Fettwerte sind im Gesamten besser, zudem ist das Schlaganfallrisiko geringer. Wer in Mitteleuropa an einer dieser Krankheiten leidet, kann durch eine «Mittelmeerdiät» seine Werte verbessern. Allerdings weichen die Empfehlungen von den tatsächlichen Essgewohnheiten in den verschiedenen Ländern zum Teil ab. So verwendet man in den Mittelmeerländern oft mehr Öl als das bei einer hiesigen «Mittelmeerdiät» angezeigt ist. 

Zudem sind auch in den Mittelmeerländern die Küchen von Region zu Region verschieden. Natürlich isst man an den Küsten Fisch und Meeresfrüchte. Im Landesinnern aber wird durchaus auch Fleisch verzehrt, allerdings nie in diesen Mengen, wie man dies in Mitteleuropa tut. In den Küchen der Mittelmeerländer spielen übrigens Hülsenfrüchte eine grosse Rolle. Wenn Reisen wieder möglich ist und du mal in Italien sein solltest, versuche anstatt Spaghetti al pomodoro fresco oder Trofie al pesto mal Pasta e fagioli, also Pasta mit Bohnen. Ganz bestimmt eine Entdeckung 😉

Dienstag, 12. Mai 2020

Die Spargelzeit hat begonnen

Sie sind super gut, gesund und haben praktisch keine Kalorien – ausser man ertränkt sie in Sauce Hollandaise: Spargeln. Wer auf seine Ernährung achtet – dazu gehört auch, die Herkunft der Produkte im Auge zu behalten – kann jetzt zugreifen. Denn seit Ende April/Anfang Mai werden die Schweizer Spargeln geerntet. 

Ab zehn Grad Celsius beginnen die Spargeln zu wachsen, allerdings sehr langsam. Steigen jedoch die Temperaturen, geht es äusserst schnell: Bei einer Temperatur von 17 Grad Celsius wachsen sie fünf Zentimeter am Tag!
Es gibt übrigens immer mehr Spargeln aus der Schweiz. Die Gemüseproduzenten haben in den vergangenen Jahren den Spargelanbau stark ausgedehnt. Bleichspargeln, also die weissen Spargeln, werden auf knapp 174 Hektaren angebaut, zehn Jahre zuvor waren es lediglich 65 Hektaren. Auch das Anbaugebiet von Grünspargeln wuchs. 2007 auf 104 Hektaren angebaut, sind es nun knapp 216 Hektaren. 
Jetzt werden die einheimischen Spargeln geerntet. Foto: unsplash
Spargeln bestehen vor allem aus Wasser. 100 Gramm haben gerade mal 27 Kilokalorien. Im Weiteren beinhalten Spargeln viel Vitamin C, Vitamin B und Kalium sowie Calcium, Magnesium, Phosphor und Nahrungsfasern (Ballaststoffe). Spargel lässt sich übrigens leicht tiefkühlen. 

Wer Spargeln geniessen will, braucht keine Sauce Hollandaise dazu. Denn diese macht diese geradezu sensationelle Energiebilanz total zunichte. Gegarte Spargeln kann man sehr gut in einen knackigen Salat geben. Man kann sie in Stückchen schneiden, kurz in der Bratpfanne mit wenig Öl zusammen mit Tomaten, Knoblauch und zum Beispiel Crevetten oder einer vegetarischen Alternative schwenken und über eine Pasta geben. Man kann sie im Sandwich essen, in einem Risotto, als Suppe... Die «Anwendung» von Spargeln ist grenzenlos. 

«Kirschen rot, Spargel tot»

Alle diejenigen, die bislang auf den Genuss von Spargeln, die aus den entlegensten Gegenden der Welt in die Schweiz importiert wurden, verzichtet haben, können nun bei den Schweizer Spargeln so richtig zuschlagen. Leider ist die Saison relativ kurz, diese dauert von Ende April/Anfang Mai bis zum 24. Juni. Der Johannistag ist traditionell das Ende der Spargelsaison. Eine Bauernregel besagt: «Kirschen rot, Spargel tot.»

Bis Spargeln geerntet werden können, dauert es Jahre. In den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung des Spargels geschieht nicht viel. Die Pflanze muss sich etablieren sie wirft keinen oder nur einen geringen Ertrag ab. Die erste Vollernte erfolgt im dritten Standjahr. Im fünften bis siebten Standjahr ist der Spargel am ergiebigsten. Beerntet werden kann die Pflanze bis zum zwölften Standjahr. 

Spargeln treiben nach dem letzten Schnitt nochmals aus und bilden einen grünen Busch, der der Photosynthese dient. Mit dieser tankt der Spargel Energie, die er für den Austrieb im nächsten Jahr braucht. Sodass wir uns Ende April/Anfang Mai 2021 wieder auf die ersten Schweizer Spargeln freuen können.

Samstag, 9. Mai 2020

Ich seh' rot – die Erdbeeren sind da!

Es ist so ähnlich wie bei den Spargeln: Seit Weihnachten liegen sie bei den Grossverteilern in der Früchteabteilung im Kühlregal, aber die Saison hat erst gerade begonnen. Die Rede ist von den Erdbeeren. Vor Kurzem sind die ersten Schweizer Erdbeeren in den Handel gelangt. Vielleicht ist ihr Geschmack noch nicht ganz so intensiv, aber man isst doch ganz klar eine Erdbeere und das erst noch guten Gewissens. Denn wer heute auf seine Ernährung achtet, berücksichtigt auch, wo etwas angebaut wird, wie weit die Wege vom Feld zum Konsumenten sind und mit welchen Verkehrsmitteln der Transport erfolgt. Unvorstellbar grosse Erdbeerfelder in ariden Gebieten Südeuropas, die mit knappen Wasserressourcen bewässert werden müssen, tragen kaum zu einer nachhaltigen Ernährungsweise bei. Achtet man darauf, saisonal – und regional – einzukaufen, kann man sich auch auf die entsprechenden Früchte- und Gemüsesorten freuen. Und die Produkte enthalten erst noch richtig viele Nährstoffe.
Reif und süss: einheimische Erdbeeren.
Auch wenn man spätestens im April genug hat von Äpfeln und Birnen, es lohnt sich auf die heimischen Beeren zu warten. Ich jedenfalls freue mich jedes Jahr, wenn ich die ersten Schweizer Erdbeeren nach Hause trage. Und bei diesen Früchtchen darf man getrost so richtig «reinhauen»: 100 Gramm haben gerade mal sensationelle 40 Kilokalorien. So eine Erdbeere besteht vor allem aus Wasser und – aus Vitamin C. Mit 60 Mikrogramm pro 100 Gramm haben Erdbeeren mehr Vitamin C als Orangen! Die roten Beeren sind auch reich an Kalium, enthalten Folate und Eisen sowie Phenolsäuren.

Ein Rosengewächs

Erdbeeren sind Rosengewächse. Zur Gattung Fragaria gehören etwa 30 Arten, deshalb sind manche Erdbeeren sehr gross, manche klein, einige eher rund, andere eher oval. Die rote Frucht ist botanisch gesehen gar keine Beere, sondern eine fleischig verdickte Blütenachse mit kleinen aufsitzenden Nüsschen. Das sind die kleinen, harten Dinger, die so gerne in die Zahnzwischenräume wandern. Diese Nüsschen sind die eigentlichen Früchte. Die Erdbeere ist eine sogenannte Sammelnussfrucht.

Wie die meisten Beerensorten muss man auch die Erdbeeren vorsichtig behandeln. Damit man den zarten Früchtchen nicht zu viel Schaden zufügt, sollten sie erst unmittelbar vor dem Verzehr oder vor der Verarbeitung gewaschen werden. Und zwar nicht unter einem harten Wasserstrahl, sondern in stehendem Wasser. Dabei lässt man die grünen Kelchblättchen dran, denn sonst nimmt die Erdbeere über die Schnittstelle Wasser auf. Fazit: Man hat eine wässrige, nicht mehr so geschmacksintensive Frucht. Nach dem Waschen die Erdbeeren in einem Sieb gut abtropfen lassen und vorsichtig mit einem Küchenpapier trockentupfen. 

Übrigens, mit Erdbeeren lassen sich nicht nur Süssspeisen zaubern, sie schmecken auch pur. Und garniere mal einen grünen Blattsalat mit zerschnittenen Erdbeeren und träufle einen hochwertigen Balsamico-Essig darüber... Guten Appetit!

Donnerstag, 7. Mai 2020

Kantine, Schnellimbiss? Besser selbst gemacht!

Wer nicht die Möglichkeit hat, in der Mittagspause nach Hause zu gehen, muss sich auswärts verpflegen. Kantine, Mensa, Restaurant, Schnellimbiss, Supermarkt. Dort gibt es lauter leckeres Essen, das aber nicht unbedingt für einen arbeitsreichen Nachmittag fit macht. Kommt dazu, dass die Speisen meist zu viele Fett, Salz und Zucker enthalten. Einige Kantinen und Mensen achten auf eine ausgewogene Zusammensetzung der Mahlzeiten, aber eben nicht alle. Wenn Speisen, vor allem stärkehaltige wie Teigwaren, Reis, Kartoffeln, in einer Kantine für längere Zeit warm gehalten werden müssen, wird ihnen Fett beigegeben, damit sie nicht trocken werden. Am besten, man hält sich ans Salatbuffet und macht sich seinen Salat selbst mit Öl und Essig an. Auf Fertig-Salatsaucen sollte man verzichten, da sie ebenfalls viel Öl, zudem viel Salz und auch Zucker enthalten. 
Die gesunde Alternative zu Schnellimbiss oder Kantine: sein Essen zu Hause zubereiten und mitnehmen.
Noch besser ist es, man nimmt das Essen von zu Hause mit. Ist zwar etwas aufwendiger, aber – der Selbstversuch wird es zeigen – man fühlt sich nach der Mittagspause besser als nach einem üppigen Essen. Man kann sich zum Beispiel Reste vom Abendessen einpacken. Die schmecken meist auch kalt gut. Und wenn man im Pausenraum des Arbeitgebers eine Mikrowelle zur Verfügung hat, in der man das Essen aufwärmen kann, umso besser. Aber auch ein Sandwich mit Vollkornbrot, Käse und/oder etwas Schinken oder einer vegetarischen Alternative ist nicht verkehrt. Man kann Tomatenscheiben dazugeben, ein, zwei Salatblätter oder anderes Gemüse, das man mag. 

Auch den Salat kann man sich von zu Hause mitnehmen samt selbst gemachter Sauce. Die Sauce sollte man allerdings erst vor dem Essen über den Salat geben, damit dieser schön knackig bleibt. Übrigens: Um mit wenig Öl «viel» Salatsauce zu erhalten, nimmt man für eine Person ca. 3 Esslöffel Wasser, eine Messerspitze Bouillonpulver, 1TL Öl, 1 TL Essig, etwas Senf, wer mag, kann auch noch etwas Tomatenmark beigeben, Salz, Pfeffer, verschiedene Gewürze nach Belieben – fertig. Geht schnell und schmeckt gut 😉

Mittwoch, 6. Mai 2020

Zwischenmahlzeiten – ja oder nein?

Zwischenmahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten? Immer wieder liest oder hört man, dass – vor allem wer abnehmen möchte – auf Zwischenmahlzeiten verzichtet werden sollte. Manche «Diäten» machen sogar eine genaue Zeitangabe, wie lange man nicht zwischen den Mahlzeiten essen darf. Ehrlich? Es soll jeder und jede so machen, wie er oder sie es möchte. Manche schaffen es mit den drei Hauptmahlzeiten gut über den Tag, andere können sich morgens oder nachmittags mit leerem Magen überhaupt nicht mehr konzentrieren. Auch wer abnehmen möchte, darf zwischendurch etwas essen. Es kommt natürlich darauf an, was es ist.
Idealer Snack: Nüsse. Davon darf man täglich eine handvoll geniessen.
Egal, ob man sich «nur» gesund ernähren oder ein paar Kilos abnehmen möchte: Schokolade, Patisseriestückchen, Kekse etc. zählen nicht unbedingt zu einer sinnvollen Zwischenmahlzeit. Aber kann sehr gut einen Apfel und weitere saisonale und möglichst regional gekaufte Früchte zu sich nehmen. Wer Power fürs Hirn braucht, darf gerne eine handvoll (ca. 20 bis 30 g) Nüsse oder Mandeln am Tag essen. Wer abnehmen möchte, isst weniger davon, da Nüsse fetthaltig sind. 

Und wenn einen der Heisshunger oder die Lust auf Süsses trotzdem packt, zuerst mal ein Glas Wasser trinken oder sich einen gut schmeckenden, ungesüssten, Tee zubereiten. Wer nämlich ein plötzliches Hungergefühl in sich aufsteigen spürt, obwohl er oder sie «richtig» gegessen hat, hat oftmals einfach nur Durst. Einfach mal ausprobieren. Wenn das Wasser oder der ungesüsste Tee nicht geholfen haben, kann man immer noch in eine Frucht beissen. Und ja, ab und zu darf's auch ein Stück Kuchen, etwas Schokolade oder etwas Salziges sein 😉

Heute ist Anti-Diät-Tag

Mittwoch, 6. Mai 2020 – heute ist internationaler Anti-Diät-Tag. In einer Welt, in der vor allem Frauen und junge Mädchen – immer öfter auch Männer – glauben, dass sie nur erfolgreich sein können, geliebt, beachtet, ernst genommen werden, wenn sie den «Superbody» mit Modelmassen haben, liegt dieser Tag so ziemlich quer in der (Diät-)Landschaft.
Immer mehr Stimmen werden laut, die den ganzen Diätwahn verurteilen. Seit den 1970er-Jahren stellt die Lebensmittelindustrie Light- und Diätprodukte her, die dabei helfen sollen, Gewicht zu verlieren. Genützt hat es augenscheinlich wenig, denn die Menschen mit Übergewicht und Adipositas werden in den Industrienationen immer mehr. Bisher lautete die Annahme immer: Weniger Kalorien rein, mehr Kalorien raus. Also weniger Kalorien zu sich nehmen als man verbrennt. Klar, so nimmt man ab, keine Frage. Und wer übergewichtig ist, sollte sich seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten auch tatsächlich mal durch den Kopf gehen lassen. Wer dann aber denkt: «Ich muss jetzt ganz schnell mal 30 Kilo abnehmen» tut sich allein schon durch diesen Gedanken keinen Gefallen. Denn «schnell» verliert man nicht an Gewicht, schon gar nicht, wenn es um 30, 40 oder sogar mehr Kilos geht. Je langsamer das Gewicht runter geht, umso gesünder.
Zwei Buchtipps: Mareike Awe: Wohlfühlgewicht und Uwe Knop: Intuitiv essen
Ja, Übergewicht verursacht Krankheiten. Umso wichtiger ist es, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Viele, die aus gesundheitlichen Gründen Gewicht verlieren sollten, stürzen sich dann aber in die gefühlt hundertste Diät. Low Carb? High Carb? Paleo? Atkins (ist wieder «auferstanden»)? Nur Kohlsuppe? Nur Bananen? Keine Kohlenhydrate? Ein wahrer Diätendschungel. Die eine oder andere Diät mag funktionieren, wenn es darum geht, die 2 Kilos, die man sich in den Wintermonaten angefuttert hat, wieder abzunehmen. Meist verlieren diese Menschen die Kilos aber ganz von alleine, weil sich ihre Ernährung im Frühling automatisch verändert. Mehr frische Früchte und Gemüse, grundsätzlich mehr Bewegung im Freien.

Ein Teufelskreis
Und hier sind wir eigentlich bereits am Punkt angekommen: Das Ess- und Bewegungsverhalten verändert sich automatisch. Diese Menschen folgen den Bedürfnissen ihres Körpers. Sie bewegen sich mehr, sie ernähren sich anders; ja, wohl auch kalorienärmer – aber weil es ihr Körper sagt. Und nicht, weil der Verstand ihnen befiehlt: «Du darfst jetzt nur noch Gemüse essen und keine Spaghetti mehr!» Wer glaubt, durch eine strikte Diät 30 Kilo abnehmen zu können, liegt falsch. Der Körper geht sofort auf Sparflamme, weil er glaubt, er habe es mit einer Hungersnot zu tun. Wenn du so lange durchhältst und vielleicht tatsächlich auf diese Weise 10 Kilo abnimmst, wirst du spätestens dann einen so riesigen Heisshunger verspüren, dass sämtliche Dämme brechen werden und du grosse Mengen an den Lebensmitteln zu dir nimmt, die du dir verboten hast. Und es wird nicht bei den 10 Kilos bleiben, die du schnell wieder zunimmt, sondern am Ende sind es vielleicht 20 Kilos mehr. Ein Teufelskreis.
Wer übergewichtig ist, sollte Gewicht reduzieren. Aber auf gesunde Weise. Die Ernährung muss ausgewogen sein: Kohlenhydrate, Eiweiss, Fette gehören auf den Speiseplan. Und: Es gibt keine verbotenen oder «schlechten» Lebensmittel! Klar, sollte man nicht jeden Abend auf der Couch eine Tüte Chips verputzen. Hört auf euren Körper. Sagt er zum Beispiel einmal im Monat: «Ich brauche jetzt etwas sehr Salziges», dann geniesse eine handvoll Chips oder wenn es etwas Süsses sein soll, eine Reihe Schokolade oder ein Stück Kuchen. Und ganz wichtig: Höre auf zu essen, wenn du satt bist! Wenn noch etwas übrig ist, dann kann du das auch am nächsten Tag noch essen oder du bist in zwei Stunden wieder hungrig.

«Symptombekämpfung»
Essen, viel essen, emotionales Essen hat mit unserer Psyche zu tun. Eine «Diät» oder eine Gewichtsreduktion ist eigentlich nur eine «Symptombekämpfung». So, wie wenn man eine Pille nimmt, wenn man schon wieder Kopfschmerzen hat. Eine Gewichtsreduktion, die aus gesundheitlich Gründen, wie oben erwähnt, durchaus sinnvoll ist, bedeutet immer auch Arbeit mit seinem Inneren, mit seinem Unterbewusstsein. Das mag anstrengend sein und ist auch nicht immer so schön, vielleicht sogar schmerzhaft. Aber es lohnt sich!

Buchtipp
Es ist nichts Neues, aber es wird wieder vermehrt darüber gesprochen und geschrieben: über das intuitive Essen. Intuitives Essen macht jede Diät überflüssig. Die meisten Menschen haben verlernt, intuitiv zu essen. Und es ist keine leichte Aufgaben, es wieder zu lernen. Dennoch sollte man es versuchen. Man verliert gar nichts und es ist erst noch kostenlos.
Es gibt mittlerweile viele Bücher zum Thema intuitives Essen. Auf die folgenden zwei Publikationen werde ich an dieser Stelle später ausführlicher eingehen (unbezahlte Werbung):
  • Mareike Awe: Wohlfühlgewicht. Wie du dich vom Diät-Zwang befreist und intuitiv deine Wohlfühlfigur erreichst, München, 2019.
  • Uwe Knop: Intuitiv essen. Aktiviere dein natürliches Schlankeitsprogramm, München, 2018.

Dienstag, 5. Mai 2020

Herzlich willkommen

Ein Neubeginn

Schon seit Jahren träume ich davon, einen Blog über gesunde Ernährung zu schreiben. Zweimal schon habe ich zaghaft begonnen, dann aber ziemlich schnell wieder aufgegeben. Zuviel im Job zu tun. Wer liest das schon?! Braucht es den gefühlt zehnmillionsten Blog über Ernährung? Ja, ich weiss, das sind alles Ausreden. Deshalb habe ich mir jetzt einen Ruck gegeben, und ich nehme mir ernsthaft vor, regelmässig zu posten 😉

In meinem Blog geht es natürlich um Ernährung. Dabei werde ich aber nicht bestimmte Ernährungstrends oder extreme Diäten propagieren, sondern eine ausgewogene, gesunde Ernährung ausführlicher beleuchten. Was natürlich nicht heisst, dass ich nicht auf «Ernährungstrends» eingehe. Diese werden mit kritischen Augen näher betrachtet. Auch das eine oder andere Buch wird hier besprochen.

Ernährung ist ein weites Feld, über das endlos diskutiert werden kann. Deshalb werde ich mir viele Freiheiten nehmen und auch mal über Themen schreiben, die nur am Rande mit Ernährung zu tun haben. Es soll in diesem Blog ja ebenfalls um Gesundheit gehen, er heisst ja auch «food&health», respektive «essen und gesundheit». Übrigens: Der deutsche Titel ist – ich muss es zugeben – dem Umstand geschuldet, dass der englische Name schon vergeben war... 

Um nochmals zur Gesundheit zurückzukommen: Die hängt natürlich sehr stark mit der Ernährung zusammen. Zur Gesundheit gehört für mich auch ein gesunder Geist. Und so ist es gut möglich, dass der eine oder andere Blogpost mit Achtsamkeit, Meditation oder Psychologie zu tun haben wird. 

Ach ja, noch zwei Sätze zu mir: Ich heisse Manuela und lebe in der Schweiz. Ich bin ErnährungsCoach mit Diplom, arbeite zudem als Journalistin und Redakteurin, zuvor habe ich an der Uni Kunstgeschichte und Geschichte studiert. Gleichwohl war eins meiner Lieblingsfächer am Gymnasium Biologie... Ich freue mich auf die kommende Zeit und hoffe, euch viele wertvolle Tipps zur gesunden Ernährung geben zu können.